DINI e.V.
DINI e.V.
               

DINI / DINI-Zertifikat

DINI-Zertifikat 2013 „Open-Access-Repositorien und Publikationsdienste“

Hintergrund

Das Publikationswesen ist ein wesentlicher Stützpfeiler des wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritts und der Wissenschaft insgesamt. Zu seinen Kennzeichen gehören (a) die Organisation einer effektiven Kommunikation zwischen Wissenschaftler/-innen (zwischen Autor/-innen und allen potenziellen Rezipient/-innen, d. h. die Sicherstellung einer adäquaten Verbreitung), (b) ein hohes Maß an Vertrauenswürdigkeit, das den Nutzer/-innen des Publikationswesens (d. h. den Wissenschaftler/-innen) vermittelt wird (z. B. in Bezug auf das Prioritätsrecht, die Wahrung des Urheberrechts sowie die Authentizität und die inhaltliche Qualität wissenschaftlicher Arbeiten), (c) Nachhaltigkeit und Nachprüfbarkeit (dauerhafte Zitierbarkeit und langfristige Verfügbarkeit, Nachvollziehbarkeit von einzelnen Schritten auf dem Weg zur Veröffentlichung).

Mit dem vorliegenden Kriterienkatalog, der dem DINI-Zertifikat zugrunde liegt, werden diese allgemeinen Erwartungen an das wissenschaftliche Publizieren in konkrete Mindestanforderungen übersetzt, die an Open-Access-Repositorien und -Publikations­dienste zu stellen sind. Sie bilden als Plattformen für die Veröffentlichung und Bereitstellung wissenschaftlicher Publikationen in elektronischer Form wichtige Knotenpunkte für den wissenschaftlichen Kommunikationsprozess und tragen als Open-Access-Dienste zur Verbreitung und Demokratisierung von Wissen bei.

Unter dem Begriff Open-Access-Repositorien und -Publikationsdienste werden insbesondere die folgenden Dienste zusammengefasst

  • Institutionelle Open-Access-Repositorien
  • Fachbezogene Open-Access-Repositorien
  • Open-Access-Zeitschriften

Ziele und Wirkungsweise des DINI-Zertifikats

Das DINI-Zertifikat dient im Wesentlichen zwei übergeordneten Zielstellung

  1. der Verbesserung der Publikationsinfrastruktur für das elektronische Publizieren sowie
  2. der Stärkung Open-Access-basierter Publikationsformen.

Die genannten Zielstellungen werden mithilfe des DINI-Zertifikats und des zugrunde liegenden Kriterienkatalogs auf folgende Weise erreicht:

  1. Das DINI-Zertifikat vermittelt Maßstäbe, Richtlinien, Best Practices; es trägt zu einem allgemeinen Verständnis der Wesenszüge des elektronischen wissenschaftlichen Publizierens bei. Die Anforderungen unterstützen dessen Realisierung. Durch den detailliert formulierten Anforderungskatalog und die permanente praktische Erprobung bietet das DINI-Zertifikat auch eine Orientierung für weitere Diskussionen und die regelmäßige Anpassung und Überarbeitung der Richtlinie.
  2. Das DINI-Zertifikat entfaltet eine Wirkung in Richtung von Betreibern. Durch die Mindestanforderungen und Empfehlungen ergibt sich ein Katalog an Aspekten (und daraus folgend eine Abfolge an Schritten), die beim Aufbau eines Dienstangebots für das elektronische Publizieren berücksichtigt werden müssen. Es dient damit unter anderem der Qualifizierung von Personen, die für den Aufbau und Betrieb von Publikationsdiensten verantwortlich sind.
  3. Das DINI-Zertifikat entfaltet eine Wirkung in Richtung von Geldgebern (Förderer von Informationsinfrastruktur, betreibende Einrichtungen). Ihnen wird damit auf der einen Seite verdeutlicht, welcher Aufwand und welches Maß an Professionalität mit dem Betrieb von Open-Access-Repositorien und -Publikations­diens­ten verbunden ist und welche Kosten daraus letztlich resultieren, aber auch welcher Mehrwert aus einem soliden, standardisierten und nachhaltigen Dienst erwächst. Auf der anderen Seite können Forschungsförderer das DINI-Zertifikat zum Maßstab nehmen, auf welcher organisatorischen und technischen Basis (Open-Access-)Publikationen veröffentlicht werden sollten.
  4. Das DINI-Zertifikat entfaltet eine Wirkung in Richtung von Wissenschaftler/-innen, die Open-Access-Repositorien und -Publikationsdienste als Au­tor/-in­nen bzw. Herausgeber/-innen nutzen. Das DINI-Zertifikat hat in diesem Sinne den Charakter eines einfach zu erfassenden Verbrauchersiegels. Durch das DINI-Zertifikat werden Publikationsdienste, die es besitzen, innerhalb ihrer Einrichtung oder Disziplin als vertrauenswürdige Partner ausgewiesen.
  5. Selbstverständlich bewirkt das DINI-Zertifikat eine tatsächliche Verbesserung der Qualität von Publikationsdiensten – unter anderem in Bezug auf die organisatorische und technische Nachhaltigkeit, die Interoperabilität und die Transparenz. Diese Wirkung lässt sich am besten im Falle zertifizierter Dienste nachvollziehen. Sie tritt aber auch dadurch zutage, dass der Kriterienkatalog vielfach als Richtschnur für den Aufbau von Publikationsdiensten verwendet wird, auch wenn sich daran nicht in jedem Fall ein formaler Zertifizierungsprozess anschließt.
  6. Das DINI-Zertifikat wirkt bei zertifizierten Publikationsdiensten als Gütesiegel und bildet damit einen positiven Anreiz zur Nutzung.

Gegenstand des DINI-Zertifikats

Der Kriterienkatalog des DINI-Zertifikats und der darauf aufbauende Zertifizierungsprozess beziehen sich auf Open-Access-Repositorien und -Publikationsdienste mit den dazugehörigen Kernkomponenten und -prozessen.

Anbieter von hier betrachteten Open-Access-Repositorien und -Publikationsdiensten sind vorrangig wissenschaftliche Einrichtungen (Universitäten, Hochschulen, Forschungs­einrichtungen) und wissenschaftliche Organisationen (Fachgesellschaften), darüber hinaus aber durchaus auch nicht-kommerzielle oder kommerzielle, verlegerisch tätige Anbieter im Open-Access-Bereich. Open-Access-Repositorien und -Publikations­dienste in diesem Sinne müssen insbesondere in Bezug auf die Art der Publikationen, für die sie gedacht sind, beschrieben werden (institutionelle, fachliche, formale Aspekte) und sind durch folgende Kernprozesse gekennzeichn

  • Dienstleistungen für Autor/-innen und Herausgeber/-innen,
  • Übernahme, Aufbereitung und langfristige Speicherung der zur Publikation gehörenden elektronischen Dokumente inklusive der Metadaten,
  • öffentliche Bereitstellung der Publikationen, Sicherstellung der Auffindbarkeit für den unmittelbaren menschlichen bzw. den für übergreifende Dienste erforderlichen maschinellen Zugriff sowie Weitergabe der Metadaten und ggf. Publikationen.

Diese Kernprozesse werden durch folgende Komponenten realisiert bzw. unterstützt:

  • eine zugrunde liegende Organisationsstruktur (wird im Zertifikat allerdings nicht betrachtet),
  • das technische Basissystem,
  • Benutzerschnittstellen (insbesondere Web-Frontend, Deposit Licence),
  • technische Schnittstellen (insbesondere OAI-Schnittstelle).

Die technische und organisatorische Umsetzung der Open-Access-Repositorien und -Pu­bli­kationsdienste kann sehr unterschiedlich sein – sowohl bezüglich der Ausgestaltung und organisatorischen Verteilung der Zuständigkeiten als auch in Bezug auf die Einbindung in eine übergreifende Infrastruktur (Stand-alone-Dienste mit eigener Instanz einer Repositorien- bzw. Zeitschriften-Software; Nutzung eines Hosting-Angebots eines internen oder externen Dienstleisters; Integration in andere Bestandteile einer institutionellen Informationsinfrastruktur – z. B. Forschungsinformationssysteme, Campusmanagement, Einrichtungsbibliografie).

Gegenstand der auf den Kriterien basierenden Bewertung und der Zertifizierung sind aber jeweils nur die für die Erbringung des Dienstes relevanten Prozesse und Komponenten. Auch wenn das Repositorium bzw. der Publikationsdienst technisch und organisatorisch in die übergreifende Infrastruktur integriert ist, kann das Zertifikat daher weiterhin von der konkreten Umsetzung des Dienstes abstrahieren und auf der vorliegenden Kriterienstruktur aufsetzen.

Vergabemodus und Evaluierung

Das DINI-Zertifikat Open-Access-Repositorien und -Publikationsdienste wird durch die DINI-Geschäftsstelle bzw. eine von ihr beauftragte Arbeitsgruppe vergeben. Verbunden mit dem Zertifikat, das die Jahreszahl der entsprechenden Zertifikatsversion enthält, wird in einer Urkunde die Bescheinigung über die Erfüllung der Mindestanforderungen für Open-Access-Repositorien und -Publikationsdienste ausgestellt.

Die Beantragung des DINI-Zertifikats ist kostenpflichtig. Es werden folgende Kostensätze erhoben, die nach der Beantragung fällig werden:

  • Nonprofit-Organisationen: DINI-Mitglieder 50 Euro, andere Einrichtungen 100 Euro
  • Profit-Organisationen: DINI-Mitglieder 150 Euro, andere Einrichtungen 250 Euro.

Um das Zertifikat für einen Dienst zu beantragen, ist durch den Betreiber ein Fragebogen auszufüllen, der die in Abschnitt 2 dieses Dokuments aufgeführten Mindestanforderungen und Empfehlungen in Form einer Checkliste enthält. Der Fragebogen ist online auf den Webseiten von DINI verfügbar. Durch das Ausfüllen dieses Formulars legt der Betreiber dar, ob und in welchem Umfang die einzelnen Kriterien durch den bereitgestellten Dienst tatsächlich erfüllt werden. Neben der Angabe darüber, ob die Anforderungen und Empfehlungen erfüllt sind, werden einige zusätzliche Informationen abgefragt – beispielsweise die URL, unter der eine bestimmte Information zu finden ist. Außerdem bietet das Formular die Möglichkeit, weitergehende Erläuterungen zu geben.

Erstmals mit der Version 2013 des DINI-Zertifikats können sich Hosting-Anbieter für Open-Access-Repositorien und -Publikationsdienste in einem vorgeschalteten Prozess bestätigen lassen, dass bestimmte Mindestanforderungen aus dem Kriterienkatalog grundsätzlich für alle von ihnen betreuten Dienste erfüllt sind (DINI-ready). Betreiber, die für ihren Dienst ein solches Hosting-Angebot nutzen, geben dies vor dem Ausfüllen des Fragebogens an und müssen die Fragen für diejenigen Anforderungen, die das Hosting-Angebot bereits erfüllt, nicht beantworten.

Nachdem mit dem vollständigen Ausfüllen des Fragebogens der Antrag auf Zertifizierung gestellt ist, erfolgt die Überprüfung der Angaben durch mindestens zwei von der DINI-Geschäftsstelle benannte Gutachter/-innen. Dazu ist den Gutachter/-innen der freie Zugang zu dem zu zertifizierenden Dienst zu gestatten. Gegebenenfalls werden an die Betreiber Rückfragen gerichtet. Eine Kontrolle vor Ort ist nur im Ausnahmefall vorgesehen. Sollten im Rahmen der Überprüfung zusätzliche Kosten entstehen, sind diese durch den Betreiber zu tragen. Er wird durch DINI darüber zuvor informiert.

Als regulärer Bearbeitungszeitraum zwischen Antragsdatum und Ausstellung eines DINI-Zertifikats sind zwei Monate vorgesehen. Die Dauer der Begutachtung wird auch dadurch bestimmt, wie schnell auf Rückfragen der Gutachter/-innen an die Betreiber reagiert wird. Der Zeitraum kann sich insbesondere dann verlängern, wenn einzelne Kriterien nicht oder nicht vollständig erfüllt sind.

Ein einmal ausgestelltes Zertifikat ist zeitlich nicht befristet und behält auch nach der Veröffentlichung einer neuen Version der zugrunde liegenden Mindestanforderungen seine Gültigkeit. Aufgrund der eingetragenen Jahreszahl der Zertifikatsversion ist jederzeit überprüfbar, welchen Leistungsanforderungen der Dienst zum Zeitpunkt der Ausstellung des Zertifikats genügt hat. Bei nachträglich festgestellten Verstößen gegen die Kriterien des Zertifikats kann das Zertifikat durch DINI aberkannt werden.

Ein erfolgreich begutachteter Dienst darf sich als „Zertifiziert als Open-Access-Repositorium und Publikationsdienst“ bezeichnen und dies durch das offizielle Zertifikatslogo auf der Startseite oder in einer anderen geeigneten Form anzeigen. Jede missbräuchliche Verwendung der Bezeichnung und des Logos wird gemäß Urheber­rechts­gesetz verfol

Weitere Informationen

Auf der rechten Navigationsbox finden Sie folgende weiterführende Informationen:

  • Das vollständige Zertifikatsdokument einschließlich des Kriterienkatalogs auf deutsch und englisch,
  • Argumente, die für eine Zertifizierung sprechen,
  • den Fragebogen, mit dem das Zertifikat beantragt werden kann,
  • die bereits zertifizierten und alle in Deutschland registrierten Repositorien,
  • häufig gestellte Fragen rund ums DINI-Zertifikat,
  • die Liste der ehrenamtlich tätigen Gutachter sowie
  • Hilfe- und Kontaktinformationen.