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These 4: Hochschule als Lehr- und Lernort
In Folge des Bologna-Prozesses mit seinen weit reichenden Reformen der Studiengänge und aufgrund der aktuellen technologischen Entwicklungen kommt es zu wesentlichen Veränderungen der Hochschule als Lehr- und Lernort. Zugleich ist mit erhöhten Anforderungen der Studierenden an die Qualität der Lehre, der Dienstleistungen und der Infrastruktur zu rechnen. Mit der Einführung von Studiengebühren in einigen Bundesländern werden die Wünsche nach Verbesserungen im Bereich Lehre und Studium noch zunehmen. Die Hochschulen sind gefordert, hierzu geeignete Maßnahmen zu ergreifen und ihre Entwicklungspläne entsprechend anzupassen.
Der Bologna-Prozess hat für Studierende und Lehrende Reformdruck und -tempo in einem bisher nicht gekannten Ausmaß verstärkt. Dies wirkt sich elementar auf die Studiengangsstrukturen und die -inhalte, auf Organisationsabläufe in den Hochschulen, auf Prozesse in den Verwaltungen und Entscheidungen der Studierenden aus.
Durch die Umstellung auf die zweistufigen Studiengänge (Bachelor/Master) und das Leistungspunktesystem (ECTS) soll ein gemeinsamer europäischer Hochschulraum geschaffen werden, um die Mobilität der Studierenden und die Internationalisierung der Hochschulen insgesamt zu fördern. Dies bedingt auch, dass das Studium in den neuen Strukturen – den Anforderungen der Wissensgesellschaft entsprechend – stärker selbstorganisiert, handlungsorientiert, netzgestützt und interaktiv verläuft und durch IT-basierte kollaborative sowie kommunikative Komponenten unterstützt wird.
Vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, die Hochschule als Lehr- und Lernort neu zu bewerten und die geeignete Basis für neue zukunftsfähige Lehr- und Lernszenarien zu schaffen.
Dies betrifft sowohl die Neugestaltung von realen Lernräumen auf dem Campus als auch die Bereitstellung von virtuellen Lernumgebungen, die nahtlos in die IT-Infrastruktur der Hochschulen eingebunden sind. Bislang getrennte Informationsdienste müssen gekoppelt und in personalisierten Portalen zusammengeführt werden.
Neben der Bereitstellung multimedialer Lehr- und Lernmaterialien muss auch dem zunehmenden Anspruch nach kollaborativen und interaktiven Funktionen der Lernmanagementsysteme entsprochen werden, die u.a. die soziale Vernetzung im virtuellen Raum ermöglichen (zum Beispiel Wikis und Blogs).
In Folge der sich verändernden Lehr- und Lernszenarien werden zusätzliche Arbeitsplätze und -räume für Einzelne und für Gruppen in den Hochschulen intensiver als je zuvor nachgefragt. Die Studierenden erwarten und benötigen modern ausgestattete PC- und Gruppen-Arbeitsplätze sowie Möglichkeiten zur Nutzung, Verarbeitung und Produktion digitaler Medien.
Die Hochschulbibliotheken sind gemeinsam mit Rechen- und Medienzentren gefordert, Lernzentren einzurichten, die ein umfassendes Angebot analoger und digitaler Informationen in Verbindung mit Einzel- und Gruppenarbeitsplätzen, moderner technischer Ausstattung und kompetenter Beratung durch Informations-, Medien- und IT-Spezialisten bieten. Nach britischen und amerikanischen Vorbildern sind die Beratungs- und Serviceangebote am besten kooperativ oder integriert unter einem Dach zu betreiben.
Die Einrichtung von Lernzentren erfordert neben erheblichen Investitionen auch einen kulturellen Wandel in den Hochschulen hin zu lebendigen und kommunikativen Lernorten.
DINI wird
- Empfehlungen zur strategischen Ausrichtung im Bereich virtueller Lehre und von Blended-Learning-Szenarien geben,
- Empfehlungen für den Einsatz von Lernmanagementsystemen, Web-Services und Web-Portalen entwerfen,
- Hochschulen über Einrichtung und Konzeption von Lernzentren informieren und Experten als Berater vermitteln sowie
- Empfehlungen und Standards für die Ausstattung und Gestaltung von Lernzentren erarbeiten.
Beispiel Learning Centre
Neue Formen der Nutzung von Informations- und Mediendiensten bieten Lernzentren, wie sie beispielsweise in Großbritannien als Learning Centres oder in den Vereinigten Staaten (hier unter dem Begriff: Information Commons) anzutreffen sind.
So ist das Learning Centre der Sheffield Hallam University durchgehend 24 Stunden geöffnet. Es verzeichnet 10.000 Besuche von Studierenden und Lehrenden am Tag und davon alleine 1.400 zwischen 21.00 und 9.00 Uhr.
Auch in Deutschland entstehen mittlerweile zahlreiche Zentren (mit sehr unterschiedlichen Bezeichnungen).
Entscheidend für den Erfolg dieser Lernzentren ist eine Kombination von Bibliotheks- und Informationsangeboten, Informations- und Medientechnik auf hohem Niveau einschließlich der Möglichkeiten zur Medienproduktion. Neben der individuellen Nutzung der Angebote stehen jederzeit auch Spezialisten zur Beratung zur Seite. Das Beispiel Sheffield Hallam University macht deutlich, wie die Integration von Dienstleistungen der Informationsserviceeinrichtungen einer Universität zu einer hohen Akzeptanz und qualitativen Verbesserung der Lehr- und Studiensituation führen kann.


